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Das ist eine exklusive Leseprobe aus meinem Buch „Der König darf nicht sterben“:

MEINE VERHAFTUNG IN THAILAND

Thailand: Ich darf in dem Land sein, das mich seit über 10 Jahren so fasziniert und prägt. Mit 31 Jahren genieße ich das Leben mit einer tollen Frau und meiner zweijährigen Tochter. Wir sind glücklich. Wir haben genug Geld. Es geht uns gut. Als Marketing Direktor für drei Hotels habe ich unfassbar viel verdient. 10.000 Euro monatlich. Wir kommen gut hin und haben einen Plan. Wir wollen gemeinsam nach Deutschland. Unsere kleine Familie. Wir wollen uns in meiner Heimat etwas aufbauen. Ich sprühe vor Ideen.

Das ist meine Ausgangssituation im Frühjahr 2011. 

Vor einiger Zeit hat mich mein Freund John Miller um Hilfe gebeten. Einer seiner Bekannten will harte Drogen kaufen – „ICE“ – Meth Amphetamine, Crystal Meth, synthetisch hergestellte Rauschmittel der schlimmsten Art. Wirklich brutal harte Drogen. Markus kennt sich damit nicht aus. Ich noch viel weniger. Ich habe diese Drogen vor Jahren mal probiert aber nie gemocht und deshalb nach dem „Test“ auch nicht mehr genommen. Wenn in Thailand Drogen an Touristen verkauft werden, dann ist es meist „Ganja“. Gras sagen die Deutschen. „Ganja“ ist allgegenwärtig, auch in meiner Firma und unter meinen Kollegen. Wir arbeiten mit Vollgas und ständig unter Strom. Alkohol und Einstiegsdrogen sind immer dabei, manchmal auch Kokain. Je erfolgreicher die Verkäufer sind, desto mehr Geld verdienen sie. Umso mehr Geld sie haben, desto härter werden ihre Drogen.

Immer wieder hat John Miller mich gefragt: „Kennst du keinen, der ICE besorgen kann. Der Amerikaner, den ich kenne, fragt mich immer wieder danach. Der lässt mich erst in Ruhe, wenn ich ihm was besorgt habe.“

Ich weiß wirklich keinen, der so etwas verkauft und habe diese harten Dinger selbst aus Angst wirklich vermieden. Zu viele kaputte Gestalten hatte ich schon gesehen, die von Meth Amphetaminen abhängig waren. Aber, ich kenne durch das Marketing-Geschäft, in dem ich arbeite, viele Menschen – Gott und die Welt. „Ich höre mich um“, verspreche ich ihm, und drei Tage später habe ich auch eine Telefonnummer von einem ICE-Verkäufer. Die gebe ich weiter und denke noch: Das Kapitel ist jetzt wohl erledigt. Im Nachhinein völlig falsch, denn zwei Wochen später, am besagtem 30. April 2011, wird mich das Thema wieder einholen.

Der 30. April ist ein Samstag. Er beginnt wie ein Traum. Ich bekomme einen Anruf aus Australien, mit dem ich überhaupt nicht mehr gerechnet hatte. Dort hatte ich mich vor Wochen und Monaten auf einen Job als Marketingchef in einem der besten Hotels des Kontinents beworben. Mehr so aus einer Laune heraus, parallel zu unseren Umzugsplänen nach Deutschland. Ich dachte mir damals: „Der Job ist oberste Liga, den kriegst du ja sowieso nicht.“ Und nun klingelte plötzlich mein Telefon und am anderen Ende eine Stimme aus Australien. „Maksim, du hast die Stelle. Du warst besser als alle anderen. Wir wollen dich“, erklärt mir die Personalchefin. „Was? Ich?“ Dreimal frage ich nach bis ich es verstehe: Ich habe den Job. Bereits in 48 Stunden soll ich nach Australien fliegen und anfangen. Die Familie kann später nachkommen. Wir bekommen eine Wohnung und ein sehr gutes Gehalt. „Schatz, wir sind wieder im Rennen. Wir haben Glück. Jetzt läuft’s wieder richtig gut für uns. Heute Abend wird gefeiert“, rufe ich meiner Freundin enthusiastisch zu, bevor sie das Haus verlässt, um eine Freundin zu besuchen. Meine Tochter und ich sind allein. Papatag – und den könnten wir jetzt aus vollen Zügen genießen, wenn nicht andauernd mein Telefon klingeln würde.

Es ist John Miller und der für mich unbekannte Freund, dieser Amerikaner. Heute treffen sie sich mit dem ICE-Verkäufer. Die Drogen sollen gegen Geld getauscht werden. Am Abend wollen alle feiern und ich soll dazu kommen, schließlich habe ich mit der Telefonnummer des Dealers ja erst alles möglich gemacht. Lust habe ich überhaupt keine. Ich will bei meiner Tochter bleiben. 

Mindestens 10mal rufen mich John und der Amerikaner an diesem Samstag an. „Maksim, komm doch. Nur auf ein Bier, bitte! Stell dich doch nicht so an. Ein schnelles Bier.“ Immer die gleiche „Überredungskunst“ – nur dass die beiden von Telefonat zu Telefonat betrunkener werden und immer mehr Alkohol intus haben. Als meine Freundin gegen 18:30 nach Hause kommt sage ich ihr: „Schatz, ich fahr da ganz kurz hin, trinke ein Bier und bin gegen 21 Uhr wieder zurück. Die geben sonst nie Ruhe und nerven noch viel mehr.“ 

Ich verlasse die Wohnung. Steige auf das geliehene Motorrad eines Freundes. 30 Minuten dauert die Fahrt zu einer thailändischen Tankstelle, deren Bar daneben legendär ist. Ich will gerade Gas geben, da höre ich noch die letzten Worte meiner Freundin: „Willst du da wirklich hin? Sicher? Ich habe überhaupt kein gutes Gefühl dabei. Bleib doch zuhause.“ Dann brause ich vom Hof und denke mir nichts dabei. Viele meiner Berufskollegen haben Drogen genommen. In meinem Arbeitsumfeld hatte ich immer wieder gesehen, wie Händler in die Firma kamen und Kollegen von ihnen Gras und anderen Stoff kauften. Es mag komisch klingen – aber für mich waren Menschen, die Drogen nahmen, nichts Besonderes. Ich sah sie jeden Tag. John nahm Drogen, solange ich ihn kannte.

Inzwischen ist es fast 20 Uhr. Der Amerikaner, John und ich sind schon an der Tankstelle, trinken ein Bier und philosophieren über das Motorrad, mit dem ich gekommen bin. Da rollt auch der Dealer an der Tankstelle vor. Er lässt sich fahren und wird von einem Motorrad eskortiert. Nobel, denke ich. Der muss ja wirklich viel Geld mit dem Zeug verdienen. Der amerikanische Drogeninteressent ist nervös. Er hat es eilig. Will schnell an den Stoff. Dieser Ami, den ich zuvor noch nie gesehen hatte, ist vom Hals bis an die Zehen tätowiert, reichlich abgewrackt und von Drogen gezeichnet. Er will das „ICE“ schnell, am liebsten sofort, noch auf der Straße. Der Wahnsinnige wedelt mit dem Geld. Was für eine Dummheit. Jeder könnte das sehen. Dann denkt er nach, will ins Auto des Dealers einsteigen und das Geschäft „heimlich“ abwickeln. Er macht es nur, wenn ich auch mit einsteige und als Dolmetscher fungiere. Und so sitzen wir dann da in unserer skurrilen Runde: Ein Dealer und ein Fahrer vorn. Ich, Maksim, hinten mit dem ICE-Käufer, den ich eigentlich nur „ein-für-allemal“ loswerden will. 

Ich bin müde, möchte heim zu meiner Freundin und meinem Kind. Ich will das phantastische Jobangebot aus Australien feiern und glücklich sein mit den wichtigsten Menschen in meinem Leben. Mit meinen Gedanken bin ich ganz woanders, als ein Pickup vor unserem Wagen anhält. Auf der Ladefläche sitzen vier Männer mit langen Haaren, zerfetzten Jeans, abgerissene Typen, die jetzt herunterspringen. „Wieder so Drogentypen“ denke ich. Dann sehe ich plötzlich ihre Waffen und höre den Fahrer unseres Wagens schreien:

„Lauf, verdammt noch mal, lauf. Hau ab. Weg hier!“

Wir sind in eine Falle gelockt worden. Die abgerissenen Typen mit den langen Haaren sind Zivilfahnder, die Sekunden später Unterstützung von drei weiteren Fahrzeugen mit Polizisten in kugelsicheren Westen und mit durchgeladenen Waffen bekommen. Ein blitzschneller Zugriff. Es ist 20:13 Uhr und ich bin verhaftet.

Nichts mehr mit „Traumjob in Australien“ – der Alptraum beginnt. Ich weiß sofort, dass es jetzt gewaltige Probleme geben wird, aber ich bin mir sicher: „Morgen bist du zuhause. Du hast ja nichts gemacht, außer eine Telefonnummer weiterzugeben.“ Dass ich zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt werden würde, hätte ich da nie gedacht. Dass ich erst 2019 wieder ein Weihnachtsfest in Freiheit und mit meiner Familie feiern würde, war jetzt unvorstellbar. Was ich jetzt denke? „Wer hat uns reingelegt, wer hat uns verpfiffen? Wer hat diese Falle inszeniert.“ 

Der Dealer ist weg. Er ist geflüchtet auf dem Motorrad, das ihn eskortiert hat. Später erfahre ich, der macht das immer so. Er kommt immer mit einem zweiten schnellen Fluchtfahrzeug. Seinen Fahrer im PKW hat er geopfert, ohne einen Gedanken an ihn zu verschwenden. Der Thai-Fahrer ist verhaftet, genau wie John Miller und ich. Nur einer läuft grinsend und ohne Handschellen am Tatort herum. Er bewegt sich an der Tankstelle und später auf dem Polizeirevier so, als sei nichts gewesen: Der von Kopf bis Fuß tätowierte, heruntergekommene und drogensüchtige Amerikaner. Der vermeintliche ICE-Käufer ist ein Spitzel der Polizei, hat uns für ein paar Drogen oder Dollar in die Falle gelockt. Später werde ich weitere seiner Opfer treffen – in einem Hochsicherheitstrakt für Schwerverbrecher in Phuket.

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